Sci-Fi Crime Thriller, Super Pulp 13 Der heraufschauende Drecksköter, Blitz-Verlag

Inhalt:

Lange vor den Ereignissen in Hard Boiled kehrt ein junger Soldat in ein dystopisches Wien zurück, um dort seine erste große Liebe zu suchen. Was er aber findet, sind Chaos und Zerstörung. Es tobt ein Machtkampf um die politische Vorherrschaft im Land. In diesen Sumpf aus Gewalt droht der junge Mann nun zu stürzen. Eigentlich wollte er nie wieder töten. Doch er ist einfach so verdammt gut darin …

Auszug:

Willamines Gesicht hat etwas Sympathisches an sich. Es strahlt ein Maß an Freundlichkeit aus, das man in dieser Stadt nur selten findet. Gleichzeitig liegt etwas Dominantes in ihrem Wesen, in ihrer Art, zu reden und dabei zu gestikulieren.

„Mach’s gut“, sagt sie und legt auf. Dann wendet sie sich mir zu. „Wie kann ich dir helfen? Wenn du hier arbeiten willst, bist im falschen Zimmer gelandet, es sei denn, du willst es unseren Kunden besorgen. Siehst aber eigentlich nicht so aus.“

„Ich such keinen Job.“

„Was suchst du dann?“

„Eine Frau.“

„Ah.“ Sie lehnt sich im Stuhl zurück. „Hast während dem Krieg den Kontakt zu ihr verloren und jetzt möchtest sie wiederfinden, weil dir klar geworden ist, dass du sie noch immer so sehr liebst und du dir ein Leben ohne sie nicht vorstellen kannst. Stimmt das ungefähr?“

„So ungefähr“, sage ich und hole das Foto von Johanna hervor. Ich reiche es ihr über den Tisch. „Sie heißt Johanna Mangold.“

Willamine nimmt das Foto an sich und betrachtet es eingehend. Sie überlegt hin und her, vielleicht, ob sie mich reinlegen oder mir die Wahrheit sagen soll, oder ob sie die Frau nicht sogar doch kennt. Vermutlich kramt sie in ihrem Gedächtnis und versucht dabei aber nicht zu vergessen, für wen sie arbeitet und wem ihre Loyalität gilt.

„Tut mir leid, diese Frau arbeitet nicht hier.“ Sie hat sich für ihren Geschäftsgeber entschieden.

Ich nehme das Foto wieder an mich, stehe auf und gehe zur Tür. Bevor ich rausgehe, drehe ich mich noch mal zu ihr um.

„Warum lügen Sie mich an?“

„Wie bitte?“, fragt sie und lehnt sich wieder nach vorne. Ohne Zweifel, um nach der Waffe unter ihrem Tisch zu greifen. Unter all dem Parfüm und Zigarettenrauch liegt der deutliche Geruch von Öl und Schmierfett.

Ich trete von der Tür weg, bleibe aber mitten im Raum stehen, damit sie nicht in Versuchung gerät, mich vorzeitig zu erschießen.

„Bevor ich mich in die Hände der Männer begebe, die draußen in der Bar auf mich warten, möchte ich doch nur die Wahrheit wissen. Kennen sie Johanna wirklich nicht oder haben Sie mich angelogen? Ich will doch nur wissen, wo sie ist.“

„Du liebst die Frau wirklich, hm?“, fragt sie mich.

Dazu sage ich nichts. Es geht sie nichts an.

Day for Night

Hinter den Kulissen:

Day for Night spielt zwar zeitlich lange vor den Ereignissen in Hard Boiled, wurde aber erst nach dem Roman geschrieben. Ursprünglich war die Geschichte auch gar nicht als Zusatz zu Hard Boiled gedacht, erst beim Überarbeiten kam mir der Gedanke, dass die zwei Geschichten gut zusammenpassen würden. Eigentlich lag es auch schon von den Figuren her auf der Hand, es ist mir beim Schreiben der ersten Fassung einfach nur nicht aufgefallen.

Aber obwohl die beiden Geschichten viele Figuren teilen und in der gleichen Welt spielen, denke ich, dass sie auch getrennt voneinander gelesen werden können. Man muss das eine nicht kennen, um das andere zu mögen (oder nicht zu mögen). Beide Texte sind, trotz seiner Verbindung, eigenständige Werke.

P.S.: Genau wie Sick Times hatte auch Day for Night ursprünglich einen anderen Titel: Auf der Suche nach verlorenem. In diesem Fall gefällt mir aber Day for Night wesentlich besser … und es ist ein Begriff aus dem Film Noir und passt somit auch als Titel besser zu Hard Boiled. Da ja die „hard boiled“-Literatur und der Film Noir eng miteinander verbunden sind.