Sci-Fi Crime Thriller, erschienen als Band 14 der Edition Super Pulp Mondo Fiction, Blitz-Verlag

Inhalt:

Die namenlose Hauptfigur, gefangen in einem brutalen, zerstörten Wien ungewisser Zukunft, verdingt sich als Auftragsmörder einer der mächtigsten Firmen des Landes. Diese haben längst die Kontrolle übernommen und teilen sich die Herrschaft untereinander auf. Die Stadt ist am Ende. Das Land, abgeschottet vom Rest der Welt, kämpft ums Überleben. Die harte Fassade des Icherzählers bekommt tiefe Risse, als er die junge Amanda kennen lernt und mit ihr eine Affäre beginnt. Dass sie immer tiefer in seine Welt hineingezogen wird, kann er nicht tatenlos hinnehmen. Er reagiert auf die einzige Art und Weise, die er kennt: mit Gewalt.

Auszug:

Ich gehe hinüber zu Goldberg und bleibe neben ihm stehen – vor dem Grab seiner Tochter Veronika. Auf dem Grabstein steht eine einsame, rote Kerze, die sich trotz des Schutzes durch ihr kleines Häuschen abmüht, bei diesem Sauwetter nicht auszugehen.

„Man kann sagen, was man will, das hätte er nicht tun sollen“, sage ich und biete Goldberg eine Zigarette an. Man kann auch über ihn sagen, was man will, aber er ist ein guter Mann, auf seine Art und Weise. Und irgendwie respektiere ich ihn, obwohl ich seine Bemühungen und sein Streben für dumm und sinnlos halte.

„Das brauchen Sie mir nicht zu sagen“, erwidert er in seiner leisen Stimme und nimmt eine Zigarette.

Ich zünde zuerst seine an, dann meine.

„Manch einer könnte glauben, Sie hätten ihn deshalb gehasst.“

„Das hab ich auch“, sagt er und nimmt einen tiefen Zug. „Das tue ich noch immer.“

„Manch einer könnte sogar glauben, Sie hätten ihn dafür töten wollen.“

„Das wollte ich auch.“

„Haben Sie es getan?“

Plötzlich dreht er sich zu mir um.

„Verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich werde an diesem Grab nicht über ihn reden.“

„Okay“, sage ich. 

Wir stehen schweigend da und starren auf den kleinen Flecken Erde, der den Namen seiner Tochter trägt. Ich frage mich, woran er dabei denkt. Ruft er sich konkrete Erinnerungen ins Gedächtnis? Wie er mit Veronika in einem Park gespielt hat, während er in Wahrheit jemanden observierte, oder Bilder von seiner Frau, die das als Fürsorge missverstanden hat? Denkt er daran, wie leid sie ihm getan hat, wenn sie in der Früh geweint hat, weil sie nicht in den Kindergarten wollte? Oder daran, wie glücklich sie war, als sie an ihrem letzten Geburtstag gemeinsam in den Prater gegangen sind? Was geht Eltern durch den Kopf, die an ihre verlorenen Kinder denken?

Ich schnippe meine Zigarette in eine Regenpfütze.

Dabei wird mir klar, das alles ist bedeutungslos geworden, reduziert auf Erinnerungsfetzen und Bilder in seinem Kopf, die niemals das Gefühl ihrer tatsächlichen Gegenwart ersetzen können. Das Einzige, was noch von ihr übrig ist, sind Knochen, die in einem Sarg und begraben unter schlammiger Erde vor sich hin modern, und ein schmückender Grabstein, der darauf hinweist, welches einstige Leben hier seine letzte Adresse fand.

„Wir sehen uns“, sage ich.

„Danke für die Zigarette“, sagt er, vollkommen unbeeindruckt von der Aussicht, mich wiedersehen zu müssen.

Die kleine rote Kerze verliert ihren verzweifelten Kampf gegen das Wetter und wird von einem kurzen, kräftigen Windstoß ausgelöscht, das Kerzenhäuschen umgestoßen. Wachs rinnt unten heraus und wird vom Regen empfangen und abgekühlt.

Hinter den Kulissen:

Hard Boiled war bereits der dritte von mir geschriebene Roman und hätte beinahe auch den gleichen Weg in die Schublade gefunden, wie meine zwei vorherigen Versuche. Der Unterschied zu den zwei vorherigen Werken Heart-Shaped Box (ja, viel Nirvana gehört) und Ultraviolent war, dass ich Hard Boiled eigentlich nie für eine Veröffentlichung geschrieben hab. Klingt abgedroschen, aber ich hab es tatsächlich nur für mich und aus Spaß an der Freude geschrieben. Und was für ein Schreiben war das …

Geschrieben wurde Hard Boiled zu einer Zeit als ich noch jünger und voller Zorn und Energie war. Da gab es nächtelanges Schreiben mit viel Alkohol, ein Hochstand war wohl eine Nacht kurz nach Silvester. Da wurde beim Schreiben eine ganze Flasche Whisky vernichtet.

Und dann beim Überarbeiten stand ich jeden Tag eine Stunde vor Arbeitsbeginn auf und hab noch an dem Buch gefeilt, bevor ich meinen „Brotjob“ absitzen musste. Trotzdem hätte ich es beinahe nie irgendwo hingeschickt, wenn es nicht eine gute Freundin in die Hände bekommen hätte.

Sie hat das Buch als eine der ersten gelesen und fand es überraschend gut (vor allem, weil sie mein vorheriges, Ultraviolent, auch gelesen und für vorhersehbar schlecht empfand). Sie war es auch, die mir dazu geraten hat, es auf jeden Fall abzuschicken, und sie hat mich dann auch auf den damals neu gegründeten Koios Verlag (den es heute leider nicht mehr gibt) aufmerksam gemacht.

Also gut, abgeschickt und gar nicht allzu lange gewartet und siehe da, der Verlag wollte das Buch wirklich haben. So war das …

Und dann, Jahre später, bekam Bobby ein Exemplar von mir geschenkt und er (und viel wichtiger vielleicht, seine Frau) wollte es dann unbedingt in einer neuen Auflage in der Mondo Fiction-Reihe für die Edition Super Pulp haben. Ja, wieso auch nicht? So bekam Hard Boiled dann sein zweites Leben beim Blitz-Verlag.

Rezensionen:

Hard Boiled scheut den Übertritt zur Pornografie nicht. Das betrifft sowohl die Sex- als auch die Gewalteskapaden. Von beiden gibt es hier reichlich. Und manche Schocks können auch ganz schön in die Magengrube des Lesers treffen. Dennoch ist Hard Boiled keine plumpe Provokationsnummer. Dafür ist die Geschichte viel zu schlau aufgezogen. Das Tempo des Romans rasant zu nennen, wäre reines Understatement. Marco Rauchs große Stärke zeigt sich nicht nur in den zynischen Dialogen, sondern vor allem in den Innenansichten seiner Hauptfigur. Mangelnde Konsequenz kann man dem Autor jedenfalls nicht unterstellen. Neben dem Protagonisten von Hard Boiled wirkt selbst Starks Parker wie ein liebenswerter Onkel.

Benedict Thill, pressplay.at

Brutal, schonungslos, und nur all zu glaubhaft nimmt der Autor uns mit auf eine blutige und gewalttätige Reise, und lässt uns nicht wieder los, bis wir den hinteren Buchdeckel erreicht haben.

Michael Sierig, teilzeithelden.de