Sci-Fi Crime Thriller, erschienen als Band 17 der Edition Super Pulp Mondo Fiction, Blitz-Verlag.

Inhalt:

Der namenlose Ich-Erzähler aus Hard Boiled ist älter und ruhiger geworden. Er fristet ein trostloses Dasein an der Peripherie der Stadt, lebt und überlebt in dem gigantischen Auffanglager, das sich um die Mauern von Wien gebildet hat. Als eines Tages jemand aus seiner Vergangenheit auftaucht, die er selbst verdrängt und in Alkohol ertränkt, bleibt ihm keine andere Wahl als erneut nach Wien zurückzukehren. Gemeinsam mit Jen und Samu, den nun erwachsenen Kindern seines besten Freundes, kommt er an den Ort seiner früheren Verbrechen zurück. Denn sie wollen Rache an den Mördern ihres Vaters nehmen.

Auszug:

Plötzlich steht sie vor mir.

Mitten auf der Straße.

Ich bin wie gelähmt.

Ich fahre im Schritttempo weiter und starre sie einfach nur an.

Sie ist es. Keine Frage. Sie sieht jetzt anders aus. Ihre Haare sind seitlich abrasiert und ein langer Irokese, den sie am Hinterkopf zusammengebunden hat, zieht sich bis unter ihre Schulterblätter. Seitlich am Kopf, wo sie kahl geschoren ist, prangt ein Tattoo. Ihre Augen sind mit roter Farbe umrandet, sie lodern wie die Feuer der Hölle.

Endlich bremse ich ab.

„Scheiße“, sage ich. Sie ist echt. Sie steht wirklich da auf der Straße. Ich halluziniere nicht. So besoffen bin ich nicht. Ich ziehe an der Zigarette. Ich schraube einen Jägermeister auf und saufe ihn aus.

Sie kommt auf mich zu. Ich umklammere das Lenkrad. Ich schwitze. Spüre den Schweiß auf der Kopfhaut, meinem Rücken und in der Arschritze.

Sie reißt die Fahrertür auf.

„Bist schwer zu finden“, sagt sie.

„Jen …“ Mir bricht die Stimme. Ich schlucke und räuspere mich. Ein Kloß im Hals. „Jennifer“, sage ich.

„Rutsch rüber“, sagt sie.

Ich gehorche. Ich bin viel zu überwältigt, sie wieder zu sehen. Sie setzt sich hinters Lenkrad und fährt weiter.

„Wo wolltest du hin?“, fragt sie.

Ich zucke die Schultern. Keine Ahnung, ich weiß es nicht mehr.

„Okay“, sagt sie.

Eigentlich sollte ich den Weg kennen. Sie fährt zu mir.

„Du …“, sage ich. „Was …?“

Sie schweigt. Ich sitze neben ihr und starre sie an. Ihr Blick ist auf die Straße gerichtet, ihr Körper angespannt. Die Hände umklammern das Lenkrad so fest, als wollte sie es erwürgen. Sie ignoriert mich. Die Zigarette verglüht zwischen meinen Lippen.

Auf einmal ist alles wieder da. Alles, was ich so tief in mir begraben hatte, dass es mir nicht mehr wehtun konnte.

Die Namen, sie kommen alle wieder. Wie Geister, die mich jagen und quälen.

Amanda.

Tamara.

Und natürlich Mike. Jennifers Vater. Mein bester Freund. Schon so lange tot. So lange hat er mich alleine gelassen, aber jetzt ist er wieder da.

„Was tust du …“, versuche ich wieder, aber es geht nicht. Wann habe ich das letzte Mal mit jemandem gesprochen, der mir etwas bedeutet? Den ich wirklich mag? In ihrem Fall, ein Mädchen, das ich seit seiner Geburt kenne und aufwachsen gesehen habe. „Alles zu seiner Zeit“, sagt sie und fährt weiter.

Fatality
Fatality, Blitz-Verlag, 2022

Hinter den Kulissen:

Nachdem Hard Boiled im Blitz-Verlag im November 2021 wieder veröffentlicht wurde, hat Bobby, der Herausgeber der Super Pulp- und Mondo Fiction-Reihe, Interesse an einer Fortsetzung geäußert.

Die Schwierigkeit bei Fatality war für mich sowohl meine Weiterentwicklung als Autor, Hard Boiled wurde vor gut zehn Jahren geschrieben, als auch der dadurch bedingte veränderte Stil und die Stimme des Ich-Erzählers. Deshalb kam der Gedanke, die Handlung von Fatality ebenfalls zehn Jahre später anzusetzen. Was dazu führt, dass der Roman nicht nur als Fortsetzung funktioniert, sondern auch ein eigenständiges Werk ist, das unabhängig vom ersten Teil gelesen werden kann.

Rezensionen:

Insgesamt betrachtet kann man sagen, dass Marco Rauch mit Fatality ein deutlich reiferer, erwachsenerer Roman gelungen ist, im direkten Vergleich zum spaßigen aber deftigen Vorgänger. Dennoch haben wir es immer noch mit einer beinharten Geschichte zu tun. Die Dialoge sind weiterhin schön ätzend und die Weltsicht schwärzer als ein schwarzes Loch. Dieser düstere Zukunfts-Noir-Thriller ist schlammig, dreckig und hat verdammt schlechte Laune. Sehr zur Freude der Leserschaft.

Benedict Thill, Pressplay.at

Mit Klischees wird gespielt, aber eben auch gebrochen, erweitert oder angenehm befriedigend ausgeleuchtet. Außerdem lese ich so selten in diesem Subgenre, dass ich schwerlich mit Altbekanntem gelangweilt werden kann.

Aber ich sehe auch, dass Rauch seine Figuren so gut ausleuchtet und plastisch macht, dass sie eben nicht die typische Figur bleiben. Der scheinbar unmoralische Typ, der über Leichen geht (oder sie zwecks Verzehr verscherbelt) mit der dunklen Vergangenheit wird in einigen Szenen und Gedanken so nah herangezoomt, dass er eben kein Klischee bleibt. Gleiches gilt für Jen, die Bad-Ass-Kampffrau mit der miesen Erfahrung in der Vergangenheit. Ja, solche Figuren gibt es oft, aber ich lerne sie selten so gut kennen.

Yvonne Tunnat, Rezensionsnerdista

Lesung am sechsten virtuellen Literaturcon

Fatality-Lesung Bühnenbild

Hier ein paar Eindrücke vom atmosphärischen Second Life-Bühnenbild zur Lesung aus Fatality am sechsten virtuellen Literaturcon. Das Set wurde vom Veranstalter Thorsten Küper kreiert, vielen Dank dafür.