Noir-Komödie, Parodie, in Vom Filme schmieden. Und anderen Träumen, Kurzfilmschmiede

Inhalt:

Der wie in einem Film Noir lebende Privatdetektiv Sam Spuck wird von einer mysteriösen Frau angeheuert einen ebenso mysteriösen Detektiv zu finden, damit der wiederum die noch mysteriösere Freundin der Auftraggeberin finden kann. Alles klar? Für Sam Spuck, der sich kurz darauf noch dazu in einem Film befindet, jedenfalls nicht. Ein großes Verwirrspiel beginnt.

Auszug:

Eine Bar. Eine richtig heruntergekommene Spelunke für harte Trinker und Aussätzige der Gesellschaft … und für Sam, der alleine an einem Tisch sitzt und eine leicht rötlich-orange Flüssigkeit trinkt, die zwar wie Whisky aussieht, aber eigentlich Eistee ist.

Was ich mir mit dem Geld alles kaufen konnte … Plötzlich blickt Sam zu uns, schaut uns direkt an. Ich könnte mir endlich eine Farbkamera leisten.

Das Bild reißt ab und verschwindet. Alles wird schwarz.

– Oder eine, die funktioniert.

Darauf der Kameramann: – Keine Sorge, das haben wir gleich.

– Ist gut. In der Zwischenzeit fing ich mit meinen Ermittlungen an.

Und zwar in einer Telefonzelle. Sam blättert ein Telefonbuch durch. Kein Kcups Mas zu finden. Wäre auch zu einfach gewesen. Er schließt das Telefonbuch und verlässt die Telefonzelle. Draußen zündet er sich eine Zigarette an.

Gerade als ich den Fall aufgeben wollte, weil es keine offensichtliche Lösung gab, flatterte mir unerwartete Hilfe vor die Füße.

Vor Sam steht ein großer, brutal wirkender Mann. Ein richtiger Schlägertyp, der alles andere als geduldig zu sein scheint. Sam blickt den Mann mit zusammengekniffenen Augen an, als würde er ihn nicht verstehen oder wollte ihn mit seinem Blick einschüchtern. Ganz der knallharte Detektiv, der jeden Augenblick seinen verheerenden Kinnhaken auspackt.

Der Schlägertyp fragt freundlich: – Entschuldigen Sie, darf ich mal in die Telefonzelle, ich muss dringend pinkeln.

Nein, nicht der!

Ein kleiner, bebrillter Mann mit Halbglatze auf der anderen Straßenseite winkt Sam zu sich. Als Sam nicht reagiert, gibt es der bebrillte Mann auf und kommt zu ihm hinüber.

Der da.

Der bebrillte Mann sagt: – Mr. Spock, ich bin Doktor Meier.

Doktor Meier reicht Sam die Hand. Sam erwidert den Händedruck und sagt: – Spuck.

– Wie bitte?

– Ich heiße Spuck, nicht Spock.

Doktor Meier? War er ihr Mann? Ihr Liebhaber? Oder … ihr Doktor?

– Ich bin der Doktor von Frau Hagen.

– Meier.

– Genau.

– Hagenmeier.

– Hagen.

– Ich dachte Sie heißen Meier?

– Genau.

– Von Frau Hagenmeier?

– Hagen, Herr Spuck.

– Spock.

– Spuck.

– Ja, bitte?

Ein Schneideraum. Der Regisseur Sergio Spielbergo und seine Cutterin sitzen am Schneidetisch.

– Gehen wir gleich zur nächsten Szene, das ging noch eine Ewigkeit so weiter, sagt Spielbergo.

Da dreht sich Sam auf dem Bildschirm zum Regisseur um und sagt: – Du kannst nicht von mir wegschneiden, ich bin der …

– Schnitt zu!

Auf der Spur des falschen Detektivs

Hinter den Kulissen:

Sam Spuck war meine erste literarische Kreation. Damals mit 12 Jahren schrieb ich die ersten Geschichten über diesen Privatdetektiv als Geschenke für meine Eltern. Die Geschichten waren meistens nur zwei bis drei Seiten lang und handelten von absurden Fällen.

Sam musste zum Beispiel herausfinden, wer ein Joghurt aufgegessen hatte. Oder wer ein Kabel durchgeschnitten hat. Die Namen anderer Figuren waren meist die unserer Katzen. Die Auflösung schnell und simpel gefunden. Nur Sam Spuck selbst hatte meist nie eine Ahnung, was abgeht. Und auch über seinen Namen gibt es in jeder Geschichte einen Running Gag. Entweder steht seine Name falsch auf dem Schild seiner Bürotür oder auf einer Visitenkarte oder im Telefonbuch. Wie auch in dieser Geschichte jetzt, wo es ebenfalls einen Scherz in Bezug auf seinen Namen gibt.

Es war lustig Sam Spuck nach so vielen Jahren wieder zu besuchen und quasi auferstehen zu lassen. Auch wenn Welten zwischen den Geschichten von damals und heute liegen. Wer weiß, vielleicht fallen mir noch ein paar weitere Geschichten für ihn ein.

Denn eigentlich hatte ich nicht vor Sam Spuck je wieder auferstehen zu lassen, aber ich fand er bot eine gute Ergänzung zu meiner anderen Geschichte in der Anthologie und zum Thema Film.